Stellungnahmen zur Davis-Methode und Kinesiologie



Schutz von Schülern und Eltern vor der so genannten Davis-Methode

Der Landesverband Legasthenie Bayern möchte Sie auf eine neue Gefährdung für lerngestörte Kinder aufmerksam machen und Sie bitten, Lehrer- und Elternschaft frühzeitig zu sensibilisieren und entsprechend zu informieren.
Seit einiger Zeit wird eine neue, von einem amerikanischen Einzelgänger stammende »Lehre« verbreitet, und zwar mit einem enormen Medien- und Vermarktungsaufwand. »In 30 Stunden zum Erfolg!« wird propagiert und »Wie man in einer Woche die Legasthenie überwindet!«
Der Urheber, Ronald Davis, scheint durch nichts weiter qualifiziert, als dass er sich als ehemaligen
Legastheniker bezeichnet. Sein deutsch herausgebrachtes Buch »Legasthenie als Talentsignal« beschreibt eine spekulative Wahrnehmungstheorie für die er keinen empirischen Nachweis erbringt.

Davis behauptet, Legastheniker hätten einen dreidimensionalen Wahrnehmungsstil, der »Desorientierung« bzw. eine »Verwirrungshaltung« bewirke. Dies ist - im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Multikausalität - eine monokausale Erklärung.
Sie lässt den sprachlichen Aspekt der Leseleistung sowie die zentralcerebralen Vorgänge, aber auch die psychosozialen Probleme völlig außer Acht. Auch alle bisherigen Forschungs-
erkenntnisse und wissenschaftlichen Schriften finden keinerlei Beachtung bei Davis. (...)

Sie (die Eltern, d.V.) zahlen hohe Gebühren, glauben das Richtige zu tun für ihre Kinder, gehen aber das Risiko ein, wertvolle Zeit für eine fundierte Legasthenietherapie zu verlieren; bei Nichtgelingen der Davis-Behandlung dürften die Kinder noch tiefer als vorher entmutigt sein und später eine längere, schwierigere und daher auch teurere Therapie benötigen. (...)
Der Österreichische Bundesverband Legasthenie (ÖBVL), der wie der Bundesverband Legasthenie e.V. Mitglied in der European Dyslexia Association (EDA) ist, hat eine Besprechung des Ronald D. Davis-Buches, Legasthenie als Talentsignal, in der Zeitschrift des Bundesverbandes Legasthenie, "Legasthenie" Heft 3/98 veröffentlicht.

Süddeutsche Zeitung vom 15.09.1998
Psychologen warnen vor "Kinesiologie"

"Edu-Kinestetik" und "Brain-Gym" sind modische Namen im Geschäft des Nachhilfeunterrichts, in dem nach Schätzungen in Deutschland jährlich zwei bis drei Milliarden Mark umgesetzt werden. Die neue Heilslehre nennt sich" Kinesiologie" (Bewegungslehre). Sie will über das Testen von Muskelspannungen Blockierungen im "Energiefluß" erkennen und beheben. So soll zum Beispiel simultanes Halten des Schambeinrandes und der Unterlippe mit je zwei Fingern den Körper entspannt und den Geist wachhalten. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Bonn betont, die Lehren der Kinesiologie seien wissenschaftlich nicht haltbar. Sie stünden "moderner schulpsychologischer Erkenntnis entgegen". Soziale Bezüge kindlicher Störungen blieben unbeachtet. Überprüfungen der Diagnosemethodik am Lehrstuhl für Sonderpädagogik in Würzburg zeigten, daß der Muskeltest für den weiteren Heilungs- und Behandlungsprozeß irrelevant sei. "Wenn also bereits die Diagnose verkehrt ist, was soll dann eine auf ihr basierende Behandlung taugen?" (...) Der Besuch eines "Brain-Gym-Studios" verzögere den Zugang zu angemessener Hilfe durch Psycholgie und Psychotherapie. ur.

Das Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München hat umfangreiche Expertisen zu den neurologischen Grundlagen der Edu-Kinestetik eingeholt und veröffentlicht, dass die neurologischen Grundlagen der Edukinesiologie "eine derartige Versimplifizierung und Verfälschung der Vorgänge des zentralen Nervensystems" ist, dass die Anwendung "so erklärter diagnostischer und therapeutischer Techniken zum Umgang mit Kindern in hohem Maße beunruhigen muss" (Walbiner, W.: Edukinesiologie - Ein neuer Heilsweg in der Pädagogik?", S. 5, München 1997, zitiert aus: Zangerle, H.: Angebote des Psychomarktes. Kritische Sichtung und Wertung, in: Naegele, I./Valtin, R.: LRS in den Klassen 1-10, Bd. 2, Weinheim und Basel 2000).
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